Plädoyer gegen die Folter

Der Winterthurer Schriftsteller Yusuf Yesilöz hat seinen ersten Film gedreht:

Ein kurdischer Flüchtling erzählt, wie er heute mit den Folgen von Folter und Hungerstreik fertig wird.

Von Ralf Kaminski

Tages-Anzeiger; 22.01.2004; Seite 17
Winterthur

250 000 Menschen werden 1980 nach dem Militärputsch in der Türkei aus politischen Gründen verhaftet, darunter viele Kurden. Einer von ihnen ist der Student Cemal Miran. Die Justiz wirft ihm unter anderem vor, er habe Schriften, Flugblätter und Zeitungen für die kurdische Bewegung verbreitet und Protestaktionen organisiert. Im Gefängnis verlangt man von ihm, weitere Namen zu nennen und zu sagen, dass ihm seine Aktivitäten Leid täten. Weil Miran nicht kooperiert, wird er gefoltert: Er muss sich nackt ausziehen, muss stundenlang stehen, er erhält Schläge, Stromstösse, man droht ihm mit Vergewaltigung und Tod, bedroht seine Familie. Ein Militärgericht verurteilt ihn zum Tod. Um sich gegen die Schikanen im Gefängnis zu wehren, beginnt Miran einen Hungerstreik - damals eine verbreitete Art des Protests. Nach 40 Tagen fällt er ins Koma, als er wieder aufwacht, ist sein Gehirn geschädigt. 1989 wird das Todesurteil gegen ihn aufgehoben; Miran kommt frei und flieht 1993 in die Schweiz. Hier ist er zwar sicher, aber allein - und er muss lernen, mit seiner Behinderung und den schrecklichen Erlebnissen zu leben.

«Es wird noch immer gefoltert»



 

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