Hungern gegen Wände

Dokumentarfilm

Drehbuch, Regie und Produktion

Yusuf Yesilöz
Kamera Hansueli Schenkel, Urs Koller Yoliswa Gärtig, Heydere Hesen
Montage Dieter Gränicher
Ton Olivier JeanRichard
Fertigstellung Januar 2004
Länge 52 Minuten
Ausstrahlung Fernsehsender 3sat, Schweizer Fernsehen (SF1, SF2) und Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF).

 

 

 

 

 

Synopsis

„Mit Hungern Betonwände Lochen" ist ein Portrait des Kurden Cemal Miran, der wegen seines politischen Engagement für die Kurden neun Jahre in türkischer Haft verbrachte. Wir lernen ihn, der aufgrund seiner Überzeugung in den Hungerstreik getreten ist, wobei er sich sein Leben riskiert und schwerwiegende persönliche Schäden in Kauf genommen hat. Mit Hungerstreik wollten die Häftlinge, erzählt er uns, gegen die Folterung protestieren und ihre dramatische Lage in der Öffentlichkeit bekannt machen

Sein ehemaliger Haft- und Hungerstreikkollege Recep Marasli lebt in Berlin. Der bekannte Publizist erzählt in einer Bildsprache über den energischen Cemal von damals und ergänzt Cemal in Beschreibung über die Haft- und Folterzeit.

Der einst renommierte Rechtsanwalt Rusen Arslan lebt seit achtzehn Jahren in Deutschland, jetzt in Hamburg, wo er als Kurrier des Schneideladens seiner Frau arbeitet. Der Haftkollege von Cemal, der zu der Zeit des Hungerstreiks selber inhaftiert war, klärt uns über die juristische Situation der Häftlinge auf und wirft, anhand der Geschichte von Cemal, einen Blick in die türkische Justiz, die aus Studenten, Publizisten oder Rechtsanwälte Verbrecher machte, welche heute als Flüchtlinge im Westen ums Überleben kämpfen.

Die Erzählungen der Dreien weisen auf eine Realität –Folter, Hungerstreik- hin, die in der Türkei seit über dreissig Jahren an der Tagesordnung ist.

Die Werkstatt, in der Cemal vormittags arbeitet, gibt seinem Tag eine Struktur. Hier trifft er, im Gegensatz zu seinem sozialen Kreis, auch regelmässig Einheimische, behinderte oder die Leitende Personen.

Der Dichter Ali Bicer bringt seine Hafterlebnisse in den Gedichten und ironischen Geschichten zur Sprache. Die meisten seiner Texte beinhalten Haft und vor allem die Liebe.

Die Erlebnisse der politischen Gefangene, die „sadistischen Sicherheitsbehörden" ausgeliefert worden waren, nehmen im Film einen wichtigen Platzt. Die von ihnen erlebte Gewalt bringt sie soweit, dass ihnen das eigene Leben nichts mehr bedeutet. Ihre Erzählungen über damals sind eindrücklich, wenn sie von der Gewalt durch die Behörden und dem Zusammenhalt der Gefangene erzählen. Sie zeigen verschiedene Seiten des Gefangenseins und Aspekte der Gewalt in den türkischen Gefängnissen. Sie öffnen eine Türe, um die Situation der damaligen Gefangene und heutigen Flüchtlinge, zum Teil behinderte, zu verstehen.

Sie reflexieren auch wie verschieden die Leute das Erlebte verarbeiten.

Im Mittelpunkt stehen nicht die politischen Themen selber, sondern die Betroffenen. Die Gründe, dass man sich zu Tode hungert, kommt anhand eines Porträt - auf dem politischen Hintergrund eines Landes - möglichst nahe.

Kurzsynopsis

Kurdistan ist uns viel mehr aus Schlagzeilen von Menschen auf der Flucht bekannt. Das freie Leben für die Menschen Kurdistans ist nicht gewährleistet. Kurden kämpfen für den Traum Freiheit. Sie haben in ihrer unendlich weiten Landschaft keinen eigenen Staat.

Cemal Miran, Student einer renommierten Universität in Ankara, schliesst sich der demokratischen kurdischen Bewegung an. Er wird nach dem Militärputsch im September 1980 verhaftet und auf massivste Art gefoltert. Das Militärgericht verurteilt ihn zum Tode. Gegen die Schikanen im Gefängnis wehrt er sich in einem vierzigtägigen Hungerstreiks, in dessen Folge er ins Koma fällt. Er erwacht als behinderter Mensch mit Kleinhirnschwund.

1989 hebt ein der Kassationsshof die Todesstrafe auf und Cemal wird freigelassen. Mit Hilfe der UNHCR flieht er 1993 in die Schweiz.

Ein Film über die Folgen der Folter, Hungerstreiks und die Verarbeitung danach im Exil.



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